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Hotel Hotel Geschichten aus fremden Betten
Mit Texten von Alfred Polgar, Michail Soschteschenko, Kurt Tucholsky, Hans Pleschinski, Dinah Nelken, Hermann Harry Schmitz, Jess Geiger und Joseph Roth.
Hotels sind schon immer Schauplatz spannender Geschichten gewesen. Alfred Polgar, Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Hans Pleschinski und andere illustre Hotelgäste entführen Sie in diese Welt zwischen Heim- und Fernweh. Werden Sie Zeuge einer Zimmersuche mit Hindernissen, der ungelebten Liebe eines Zimmermädchens zu einem Gast oder des gescheiterten Versuches, sich als Hoteldieb zu beweisen. Die acht Geschichten werden von stimmungsvoller Jazzmusik voneinander abgesetzt.
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 François Smesny: Tagesspiegel (21.05.2006)
Die falsche Pose des Grandseigneurs
In fremden Zimmern: Hotelgeschichten zum Hören
Von Hella Kaiser
Schriftstellern bieten Hotels mehr als ein Bett für die Nacht. Sie mieten sich ein – und finden Geschichten aller Art. Einige der schönsten kann man jetzt hören. Eine CD liegt vor, die 70 Minuten lang in eine spannende Welt entführt. Alfred Polgar etwa beobachtet den Liftmann, der, wenn niemand hinsieht, die bucklige Schneiderin einsteigen lässt. Denn Angestellte müssen in einem Grandhotel selbstverständlich die Treppe nehmen.
In Hans Pleschinskys kleiner Geschichte findet der eben eingetroffene Hotelgast in Cannes einen herzzerreißenden Abschiedsbrief, der unter der frisch bezogenen Bettdecke hervorlugt. Gisela? Ach nein, es war nur die algerische Putzfrau. „Eine Marotte, Monsieur, verstehen Sie, sie ist nicht ganz richtig im Kopf“, erklärt der Hotelmanager. Aber was sollen sie machen in der Saison, wenn Personalmangel herrscht?
Insgesamt acht ganz unterschiedliche Storys werden wunderbar vorgelesen von Meike Schlüter und Till Hagen. Der setzt die groteske Geschichte des verlorenen Schlüsselchen von Michail Soschtschenko mit seiner Stimme regelrecht in Szene. Dadurch sieht man ihn vor sich, diesen armen Tropf, der auf der Krim ein Hotelzimmer möchte und schon weiß, dass alle besetzt sind. So ist es ja immer. Er ersinnt eine List und gibt sich, mit Zigarre im Mund, als Ausländer aus. „Ein chambre-zimmer, jawoll“ verlangt er radebrechend, und alles läuft bestens – bis sein Koffer aufgeht und alle sehen können, dass er doch nur ein russischer Habenichts ist. „Geflicktes Zeug, Schuhe mit schiefen Absätzen, eine Seife Marke Schaumreich, na eben inländisches Zeug.“
Immer wieder hören möchte man die 17 Minuten lange Geschichte von Hermann Harry Schmitz: „Im Riviera Splendid Palace oder mein Debüt als Hoteldieb“. Es fängt schon damit an, dass die Grandseigneur-Pose fast immer misslingt, mit der man ein Hotelvestibül doch zu betreten hat. Der kleinste Liftboy weiß, dass man nicht der ist, der man zu sein vorgibt. Und dann sitzt der Herr Gernegroß zum Diner am Tisch, und hinter ihm schleudern die Kellner von rechts und links nonchalant die Köstlichkeiten auf den Teller. Der Gast duckt sich erschrocken. Ein Fauxpas. Und prompt hat er – nun unglücklich in der Schussbahn sitzend – den Spinat an der Wange. Die angestrebte Karriere als Hoteldieb geht natürlich auch komplett schief.
Die Hörstücke sind durch leise Musiken voneinander getrennt, die gut in noble Hotelbars passen könnten. Melancholische Töne, die hinführen zum letzten Stück „Abschied vom Hotel“. Da sinniert Joseph Roth: „Wenn meine Koffer weg sind, werden andere hier stehen.“
Eine hübsche Idee, so eine CD zu produzieren. Schade, dass im beiliegenden Faltblatt mit Informationen gegeizt wird. Die Jahreszahlen der Werke werden verschwiegen, manchmal sogar die Quelle. Von Harry Hermann Schmitz erfahren wir nur, dass er 1880 in Düsseldorf geboren wurde und 1913 in Bad Münster durch Suizid gestorben ist. Groteske Erzählungen und Essays, so steht da, habe er geschrieben. Nach denen werden wir jetzt fahnden.
Hotel-Hotel, Geschichten aus fremden Zimmern, 14,90 Euro. Im Buchhandel oder übers Internet: www.o-ton-produktion.de
31.07.2006
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